Sammelbegriff für Rollen, die Schnur ohne Umlenkung auf die
Spule wickeln und das Aufspulen durch eine Übersetzung
(Multiplikator) beschleunigen. Die Gehäuse bestehen aus den
unterschiedlichsten Materialien, wobei häufig Stahl, teilweise
verchromt, Messing oder Kohlefaser verwendet wird. Kleine Rollen
werden aus Gewichtsgründen oft aus Aluminium hergestellt,
große Big-Game-Rollen aus einem Block gefertigt. Im
Unterschied zu den Stationärrollen erfolgt bei den Multirollen
die Kraftübertragung geradlinig von der Kurbel auf die Spule.
Die geradlinige Kraftübertragung und die schräge
Verzahnung des Getriebes sind der Grund für die große
Unempfindlichkeit von Multirollen. Bei Rollen, die zum
Big-Game-Fischen verwendet werden, sollte die Spule zusätzlich
kugelgelagert sein, denn nur dadurch können die hohen
Beschleunigungskräfte wirkungsvoll umgeleitet werden.
Wie Stationärrollen haben auch Multirollen, eine
Rücklaufsperre, die sich allerdings meist nicht ausschalten
lässt. Die meisten Multirollen besitzen eine Sternbremse, die
auf das Getriebe wirkt. Durch Drehen des zwischen Kurbel und
Gehäuse angebrachten Sternrades wird das Hauptantriebsrad
gebremst. Sternbremsrollen sind besonders geeignet zum Grundangeln.
Einige Multirollen sind mit Schiebe- oder Hebelbremse ausgestattet.
Sie sind ideal zum Schleppangeln auf Großfische geeignet und
müssen im Drill nicht nachgestellt werden, da die eingestellte
Bremskraft während des Drills gleich bleibt. Die
Kraftübertragung erfolgt zunächst auf eine so genannte
Andruckplatte, die ihrerseits auf eine (weitere) Platte gepresst
wird, welche die Spule direkt abbremst. Durch die direkte
Bremswirkung auf die Spule und die wesentlich größere
Bremsfläche haben Schiebebremsen eine wesentlich höhere
Bremskraft. Ein Freilauf mit Hebel- oder Tastendruck ist bei diesen
Bremsen jedoch konstruktionsbedingt nicht möglich. Um die
Schnur ablaufen zu lassen, muss der Bremshebel ganz nach hinten
gezogen (auf null gestellt) werden. Deshalb sind diese Rollen zum
Grundangeln nur wenig geeignet, da durch das oftmalige Ablassen die
Bremsscheiben viel zu schnell verschleißen. Kleine und
mittlere Multirollen verfügen heute meist über
automatische Schnurführungssysteme. Diese Technik ist
praktisch und robust, doch auch hier kann man einen entscheidenden
Fehler machen; Wird die Schnur zum ersten Mal aufgespult, darf man
das Schnurende nicht mehr aus der Führung herausziehen.
Andernfalls ist nicht gewährleistet, dass die
Schnurführung immer auf einer Geraden mit der sich abspulenden
Schnur verläuft. Seitlicher Zug führt nicht nur zu
schnellerem Verschleiß, sondern kann auch sonst zu schweren
Beschädigungen bis hin zur Funktionsuntauglichkeit der
Multirollen führen. Multirollen dürfen nach einem Einsatz
im Salzwasser nicht in einen Eimer mit Süßwasser gelegt
werden, um sie so vom Salz zu befreien. Dabei erreicht man nur das
Gegenteil. Besser ist es, die Multirolle nach Gebrauch mit einem
feuchten Tuch abzureiben und anschließend noch etwas zu
pflegen.
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