Stehende Gewässer
Ihrem Charakter und ihrer geografischen Lage nach bringen die
unterschiedlichen Seenarten bei ähnlichen Bedingungen jeweils
vergleichbare Lebensformen hervor. Auch wenn sie
„Stillwasser“ genannt werden, können Windeinfluss
und Fließgewässer, die sie durchqueren, eine
Strömung erzeugen.
Vorgebirgsseen
Charakteristisch: kaltes, klares, nährstoffarmes Wasser mit
hohem Sauerstoffgehalt. Steil abfallende Ufer. In flachen Buchten
und in Ablagerungen, die durch zufließende Bäche und
Flüsse eingetragen werden, siedeln sich Pflanzen und
Nährtiere wie Planktonkrebschen und Insektenlarven an.
Das „Markenzeichen“ der Vorgebirgsseen: die Seeforelle.
Die Regenbogenforelle kommt seltener vor. Beide Arten wachsen hier
zu kapitaler Größe heran, da sie nicht gegen die wilde
Strömung eines Fließgewässers anzukämpfen
haben. In den tieferen Zonen Seesaibling und Renken wie große
und kleine Maräne. In den flachen Uferzonen Hecht, Barsch,
Zander und Friedfische wie Döbel, Plötze und
Rotfeder.
Tiefe Flachlandseen
Durch abschmelzende Gletscher entstanden Seen mit einer Tiefe bis
zu 20 m und relativ kühlem Wasser. Nur langsam absinkende
Uferzonen. Die lange Wärmeperiode und starke Erwärmung
des flacheren Wassers ermöglichen die Ansiedelung eines
breiten Pflanzengürtels rund um das Ufer: zunächst eine
Zone aus Röhricht und Schilf, davor die Schwimmblattrose aus
Seerosen, Wasserknöterich und Wasserhahnenfuß. Davor dann
unter Wasser die Krautzone aus Laichkräutern, Tausendblatt und
Wasserpest.
Zwischen den Pflanzen und in der Zone davor sammelt sich eine
Schicht aus nährstoffreichem Schlamm, in der Milliarden
Mückenlarven und andere Insekten wimmeln.
Bei diesen günstigen Bedingungen entwickeln sich viele
Fischarten bis zu kapitaler Größe: Friedfische wie
Karpfen, Schleie, Brasse, Rotfeder und Plötze, verschiedene
Maränenarten (Renken) und Raubfische wie Hecht, Aal, Barsch
und Wels.
Flache Flachlandseen
Bei nur geringer
Tiefe zwischen 2 m und 6 m im Sommer starke Wassererwärmung.
Geringes Gefälle mit einem breiten Pflanzensaum: Schilfzonen
und Seerosenflächen sind typisch. Häufig der gesamte
Boden von Unterwasserpflanzen bedeckt, die in warmen Sommern die
Wasseroberfläche durchdringen. Große Vielfalt an Fischen,
durch riesige Mengen von Plankton und Mückenlarven als
Nahrung: Im dichten Schilfgürtel Brutfische, Aale und Hechte.
Unter den Seerosen Schleien, Karauschen und Karpfen. In der
Krautzone Brassen, Güstern und Plötzen. Im Freiwasser
Rotfedern und Ukeleis, am Grund große Karpfen, einzelne
kapitale Brassen und Plötzen. An den
„Barschbergen“ Hechte und Barsche, unter versunkenen
Bäumen große Hechte und Welse.

Künstliche Seen
Baggerseen
Durch Bodenaushub entstandene Seen. Bei jüngeren Kiesgruben
Boden noch sandig, bei älteren mit einer dicken Schlammschicht
bedeckt. Bestand an Wasserpflanzen wie bei Flachlandseen. Breite
des Pflanzengürtels je nach Abfall der Uferkanten. Ältere
Gruben sehr nahrungsreich mit anglerisch günstigen Bedingungen
wie natürliche Flachlandseen — oft nur noch zu erkennen
an dem typischen Strandstreifen, der damals den Transporter als
Zufahrt diente und heute als Badestrand genutzt wird. Von
Angelvereinen schon vor langer Zeit besetzt, weisen sie häufig
einen alten Bestand auch kapitaler Fische (z.B. Karpfen) aus: alle
Weißfischarten der Brassenregion, Barsch und Aal. Ob auch
Zander, Hecht und Wels eingesetzt wurden, muss man erfragen.
Stauseen
Durch den Stau eines Flusses entstandene Seen — Profil und
Bodenstruktur von der gefluteten Landschaft geprägt.
Fischbestand über das gestaute Gewässer eingewandert und
durch regelmäßigen Besatz erweitert. Bieten durch
sauerstoff- und nährstoffreiches Wasser und günstigen
Lebensraum für viele Fischarten: Bei kühlem, klarem
Wasser in Gebirgsnähe Forellen, Saiblinge und Renken,
häufig auch Hechte. Charakter des Gewässers dann wie
Vorgebirgsseen. Bei wärmerem Wasser die meisten
Weißfischarten: In der Nähe der Flussmündung
Plötze, Rotfeder und Ukelei, im ruhigen Bereich der Staumauer
Brassen, Karpfen und Aland. Dazu die Räuber der Brassenregion.
Oft halten die Fische Abstand vom Ufer und wandern auf der
Nahrungssuche frei umher.

Fliegenfischen